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Der Fachverlag
Buchpräsentation und Podiumsdiskussion "Überall ist Zukunft", 23.5.2018, Parlament (Hofburg)
Bundesratspräsident Reinhard Todt
Die DiskutantInnen der Veranstaltung

Überall ist Zukunft: Gesellschaft im digitalen Zeitalter gestalten

Buchpräsentation und Podiumsdiskussion

Bundesratspräsident Todt und der ÖGB-Verlag luden zu Buchpräsentation und Podiumsdiskussion ins Parlament

Fotoalbum der Veranstaltung

"Wenn wir uns heute die soziale Frage stellen, dann führt kein Weg daran vorbei die Auswirkungen der fortschreitenden Digitalisierung zu betrachten", betonte Bundesratspräsident Reinhard Todt gestern Abend im Parlament in seiner Begrüßung zur Buchpräsentation "Überall ist Zukunft - Die Gesellschaft im digitalen Zeitalter gestalten".

Todt: Digitalisierung stellt Gesetzgeber und Gesellschaft fast täglich vor neue Herausforderungen

Das Buch "Überall ist Zukunft" passe perfekt zum Schwerpunkt seiner Präsidentschaft im Bundesrat "Digitale Zukunft sozial gerecht gestalten", unterstrich Reinhard Todt. In der sozialen Frage führe kein Weg daran vorbei, die Auswirkungen der fortschreitenden Digitalisierung zu betrachten. Todt ging dazu auf die Bereiche Arbeit, Bildung, Smart Cities und Datenschutz ein. Der Gesetzgeber und die Gesellschaft werden durch die Digitalisierung fast täglich vor neue Herausforderungen gestellt. Todt begrüßte, dass nun mit dem Buch "Überall ist Zukunft" die unterschiedlichen Bereiche des Lebens auf die Realität heruntergebrochen werden und es gleichzeitig aufzeigt, wie frei von Regeln und Normen die digitale Welt ist und welche Macht mit ihr einhergeht.

Kuba: In Digitalisierung prallen unterschiedliche Interessen aufeinander

Jedes Problem der Digitalisierung wirft auch eine Million Verbesserungsmöglichkeiten der Welt auf, sagte Sylvia Kuba in ihrer Präsentation. Digitalisierung sei aber kein neutraler Prozess, es prallen in der Entwicklung unterschiedlichste Interessen aufeinander. Teils stelle sich auch die Frage der Würde des Menschen, wenn beispielsweise ein Computerprogramm MitarbeiterInnen im Call Center ermahne, wenn ihre Stimme nicht freundlich genug klinge. Dringend zu diskutieren sei außerdem, wem Profite zugutekommen, so Kuba im Hinblick auf Besteuerung für digitale Konzerne, aber auch in Bezug auf das sogenannte "Öl der Zukunft", nämlich Daten. Statt Arbeitszeitverlängerungen biete sich durch Innovationen jetzt wieder die Gelegenheit für Verkürzungen, unterstrich Kuba. Wenn so viele Innovationen am Ende dazu führen, dass alle länger und für weniger Geld arbeiten, sei etwas schiefgegangen.

Digitalisierung zwischen Differenzierung und rascher Weiterentwicklung

Über die Auswirkungen der Digitalisierung auf Arbeit und Gesellschaft diskutierten anschließend am Podium Thomas Lohninger (Epicenter Works), Annika Schönauer (Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt, Wien), Klemens Himpele (Leiter der Abteilung Wirtschaft, Arbeit und Statistik, Stadt Wien) und Heinrich Himmer (Präsident des Wiener Stadtschulrats).

Einig waren sich die RednerInnen in ihrem Lob und der Leseempfehlung für das Buch. Thomas Lohninger sprach sich darüber hinaus dafür aus, Regulierungen für neue Bereiche insofern klug anzulegen, als Innovation von unten zugelassen werden soll, zugleich aber die Wertegesellschaft in die Zukunft zu retten, etwa im Hinblick auf Arbeitsrechte. Die Minimalforderung gegenüber großen Plattformen sei mehr Transparenz. Mediale Grundbildung sei auf der Anwenderseite ebenso wichtig wie ein Update für den Rechtsstaat, mit dem Internet umzugehen.

Annika Schönauer plädierte dafür, in der oft technologiegetrieben Diskussion immer wieder zu differenzieren, gerade in Bezug auf die Arbeitswelt. So sei etwa die Situation in KMUs ganz anders als in großen Betrieben. Schönauer sprach auch das Thema gesundheitliche Auswirkungen neuer Technologien an, Stichwort Technikstress. Von starken, revolutionären Jobverlusten in der nahen Zukunft geht sie nicht aus, weil auch teilweise alte Technologien noch nachwirken und die neuen weniger in Betrieben angekommen sind, als man vielleicht denkt.

Aus Sicht der Stadt Wien will Klemens Himpele in der Diskussion zwischen Rechtssetzung bzw. –regulierung und der entscheidenden Rechtsdurchsetzung deutlich unterscheiden. Er ist überzeugt, dass viele Fragen ein Rechtsdurchsetzungs- und kein Rechtssetzungsproblem sind. An Rechtssetzungsangelegenheiten sieht er etwa die der Besteuerung auf EU-Ebene, im Arbeitsrecht hinsichtlich Arbeitnehmervertretungsmöglichkeit der Selbständigen auf Bundesebene, oder auch solche der Stadt Wien etwa im Hinblick auf Nächtigungsplattformen, teilweise im Transportwesen oder im Onlinehandel. Er habe nichts gegen eine Suche der Ferienwohnung im Internet, so Himpele, wolle aber einen fairen Wettbewerb, damit BürgerInnen einen Mehrwert bekommen.

Heinrich Himmer sieht eine sehr hohe Erwartungshaltung im Bildungsbereich, beispielsweise hinsichtlich rasch hoch ausgebildeter TechnikerInnen. Thema sei aber auch immer die Wertigkeitsfrage, etwa wenn es um Lehre und Maturaschule bzw. traditionelle Handwerksberufe geht. Zu diskutieren sei dabei, wie Bildung auf alle Herausforderungen der Digitalisierung vorbereiten könne und wenn, vor welchem Hintergrund. Wie Wissen gerecht aufgeteilt werden könne, wurde auch in den früheren technologischen Veränderungen nicht gelöst.

Durch die Veranstaltung im Dachfoyer im Parlament in der Hofburg führte als Moderatorin Lara Hagen (Redakteurin Chronik, Der Standard).

Fotoalbum der Veranstaltung

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