Um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten, speichert diese Website Informationen über Ihren Besuch in sogenannten Cookies. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Der Fachverlag
Es geht um die Verankerung einer Sicherheitskultur im Arbeitsalltag.
Bei der Einführung eines SGMS wird im ersten Schritt eine Ist-Stand-Analyse durchgeführt.
PDCA-Modell: In einem kontinuierlichen Prozess werden die Schritte Plan-Do-Check-Act vollzogen.
Ingenieur auf Baustelle Es geht um die Verankerung einer Sicherheitskultur im Arbeitsalltag.
Ingenieur auf Baustelle Bei der Einführung eines SGMS wird im ersten Schritt eine Ist-Stand-Analyse durchgeführt.
Symbolbild mit Holzwürfeln PDCA-Modell: In einem kontinuierlichen Prozess werden die Schritte Plan-Do-Check-Act vollzogen.

Sicherheit und Gesundheit mit System

Sicherheits- und Gesundheitsmanagementsysteme (SGMS) sind hilfreiche Werkzeuge, um einen gut strukturierten ArbeitnehmerInnenschutz in allen betrieblichen Hierarchie- und Organisationsebenen zu etablieren und für eine ganzheitliche Weiterentwicklung des Sicherheits- und Gesundheitsschutzes zu sorgen.

Was wäre ein Unternehmen ohne seine ArbeitnehmerInnen? Produktionen würden stillstehen, der Verkauf müsste eingestellt werden, Dienstleistungen könnten nicht mehr erbracht werden und ein Großteil des Know-hows ginge verloren. Kurz gesagt: Mit den ArbeitnehmerInnen steht und fällt ein Unternehmen. Damit sie jedoch ihre Leistungen tagtäglich erbringen können, braucht es Maßnahmen und Vorkehrungen, die ihre Sicherheit und Gesundheit garantieren. Und genau dafür setzen sich BetriebsrätInnen, Sicherheitsvertrauenspersonen und Sicherheitsfachkräfte sowie ArbeitsmedizinerInnen und ArbeitspsychologInnen laufend ein.

Im betrieblichen Alltag taucht bei den InteressenvertreterInnen der ArbeitnehmerInnen immer wieder die Frage nach der optimalen Umsetzung des ArbeitnehmerInnenschutzes auf. Nicht selten werden dabei Forderungen nach einer strukturierten Organisation und einer prozessorientierten Abwicklung über das gesamte Unternehmen hinweg laut. Der Ansatz, Sicherheit und Gesundheit der ArbeitnehmerInnen ganzheitlich zu betrachten und in die Managementstrategie des Unternehmens zu integrieren, ist nicht neu. Sicherheits- und Gesundheitsmanagementsysteme (SGMS) liefern hierfür hilfreiche Werkzeuge und Systemkomponenten, um den ArbeitnehmerInnenschutz in allen betrieblichen Hierarchie- und Organisationsebenen zu etablieren.

Doch was genau sind nun SGMS? Welcher Nutzen kann von ihnen erwartet werden? Wie funktionieren sie und welche Systeme sind für welches Unternehmen sinnvoll?


Was sind SGMS?
SGMS sind ein Werkzeugs zur besseren Organisation des ArbeitnehmerInnenschutzes. Sie umfassen die Organisation des Gesundheitsschutzes, die Evaluierung samt Schutzmaßnahmen, Prävention von Sicherheits- und Gesundheitsrisiken, aber auch die klare Definition von Verantwortungen, Aufgaben und Zuständigkeiten. Es geht dabei um die Verankerung einer Sicherheitskultur im Arbeitsalltag. Ing. Thomas Starzer, MSc., der in der Abteilung Managementsysteme der voestalpine Stahl GmbH für die Koordination der ISO-45001-Zertifizierung zuständig ist, hebt hervor, dass sich „durch die zahlreichen Aktivitäten das Bewusstsein für Gesundheit und Sicherheit unternehmensweit weiter verbessert hat“.

ArbeitgeberInnen sind nach § 3 Abs. 1 des ArbeitnehmerInnenschutzgesetzes (ASchG) verpflichtet, für Sicherheit und Gesundheitsschutz der ArbeitnehmerInnen in Bezug auf alle Aspekte, die die Arbeit betreffen, zu sorgen. Näher ausgeführt wird diese Verpflichtung in § 4 Abs. 3 ASchG: „Auf Grundlage der Ermittlung und Beurteilung der Gefahren […] sind die durchzuführenden Maßnahmen zur Gefahrenverhütung festzulegen. Dabei sind auch Vorkehrungen für absehbare Betriebsstörungen und für Not- und Rettungsmaßnahmen zu treffen. Diese Maßnahmen müssen in alle Tätigkeiten und auf allen Führungsebenen einbezogen werden.“ SGMS können die Verbindung zwischen den gesetzlichen Vorgaben des ArbeitnehmerInnenschutzes und der praxisorientierten Umsetzung durch das Unternehmen darstellen.


Der Nutzen von SGMS
Ein SGMS kann (als farbiger Kasten in der Spalte?)

  • Abläufe im Betrieb transparenter machen
  • helfen, Unfallursachen schneller zu erkennen und zu vermeiden
  • Klarheit bezüglich der innerbetrieblichen Kompetenzregelungen schaffen
  • Schnittstellenprobleme aufzeigen
  • das System „Unternehmen“ durchleuchten
  • die Qualität der Arbeitsleistung steigern helfen
  • systematisch präventiv eingreifen
  • die ArbeitnehmerInnen motivieren, einbeziehen, beteiligen

(Quelle: Broschüre „Sicherheits- und Gesundheitsschutz-Managementsysteme. Die Arbeitsinspektion informiert“ des Bundesministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales)

Einführung eines SGMS
Bei der Einführung eines SGMS wird im ersten Schritt eine Ist-Stand-Analyse durchgeführt, um festzustellen, welches Niveau von Sicherheit und Gesundheit im Betrieb bisher erreicht wurde bzw. wo noch Verbesserungspotenziale bestehen. Darauf aufbauend geht es im zweiten Schritt um die Erstellung oder Auswahl eines SGMS. Im dritten Schritt wird das SGMS im Betrieb umgesetzt. Doch damit ist der Prozesse nicht abgeschlossen: Durch kontinuierliche Dokumentation, Evaluierungen und Anpassungen ist ein ständiger Verbesserungsprozess zu gewährleisten.

Es gibt eine Vielzahl an SGMS auf dem Markt. Zu den häufigsten Systemen zählen ISO 45001 und das AUVA-SGM, die beide nachfolgend vorgestellt werden.


Managementsystem ISO 45001
Bei diesem SGMS handelt es sich um eine internationale Norm, also einen globalen Orientierungsrahmen für betrieblichen ArbeitnehmerInnenschutz, den es seit 2018 gibt. Es verfolgt das Ziel, den globalen ArbeitnehmerInnenschutz neu zu denken und zu vereinheitlichen – für Mag.a Barbara Libowitzky, stellvertretende Leiterin der Abteilung Unfallverhütung und Berufskrankheitenbekämpfung, eine „Notwendigkeit aufgrund der zunehmenden Internationalisierung der Märkte“. Anstelle vieler nationaler und branchenspezifischer Standards bietet das Managementsystem ISO 45001 einen international zertifizierbaren Standard für das ArbeitnehmerInnenschutzmanagement. Vor allem Unternehmen, die international agieren, können damit einer immer häufigeren KundInnenanforderung nachkommen. Nämlich einen unabhängigen Nachweis zu liefern, dass sie im ArbeitnehmerInnenschutz global verbindliche Standards einhalten. Diesen internationalen KundInnenwunsch bestätigt auch Starzer aus der Praxis.

Im Zuge des Systems wird ArbeitnehmerInnenschutz nicht mehr als eigenständiger Bereich, sondern als integraler Bestandteil der Geschäftsstrategie eines Unternehmens betrachtet. Wo bisher Gesundheits- und Sicherheitsspezialisten für die Implementierung und Weiterentwicklung des ArbeitnehmerInnenschutzes zuständig waren, müssen mit der ISO 45001 die Führungskräfte des Unternehmens mehr Verantwortung tragen und proaktiv Maßnahmen setzen, um den ArbeitnehmerInnenschutz zu verbessern. Neu ist auch die stärkere Einbeziehung der ArbeitnehmerInnen durch regelmäßige Befragungen und Beteiligungen. Das betrifft sowohl die Stammbelegschaft des Unternehmens als auch Leiharbeitskräfte.

Im Zentrum stehen das Sicherheits- und Gesundheitsschutzmanagement sowie die kontinuierliche Verbesserung. Die Basis stellt das PDCA-Modell dar: In einem kontinuierlichen Prozess werden die Schritte Plan-Do-Check-Act (auf Deutsch: Planen-Durchführen-Prüfen-Nachbessern) vollzogen, um eine laufende Verbesserung des ArbeitnehmerInnenschutzes zu erreichen. „Sicherheits- und gesundheitsbewusstes Arbeiten ist kein Sprint, sondern ein Dauerlauf“, bringt Starzer die Wichtigkeit des kontinuierlichen Zyklus auf den Punkt.


Ziele des ISO-45001-Systems

  • Verbesserung und Bereitstellung eines sicheren und gesunden Arbeitsplatzes für die Beschäftigten und sonstige Personen in ihrer Zuständigkeit
  • Nachweis eines wirksamen Arbeits- und Gesundheitsschutzmanagements für Beschäftigte und andere interessierte Parteien
  • Fortlaufende Verbesserung von Organisationen mittels des PDCA-Modells
  • Allgemeine Eindämmung von Arbeits- und Gesundheitsrisiken
  • Leistungsfähigerer und wirksamerer Arbeits- und Gesundheitsschutz
  • Sicherheits- und Gesundheitsschutz als strategischer und unternehmensverantwortlicher Aspekt
  • Motivation der MitarbeiterInnen durch Rücksprache und Teilnahme
  • Mit einer Normzertifizierung bei KundInnen, LieferantInnen, Behörden und InvestorInnen den Nachweis für sicheres und seriöses Unternehmensverhalten bieten

(Quelle: Joerg Hensiek, Politikwissenschafter und Journalist, und Michael Kolbitsch, Fachkraft für Arbeitssicherheit, in: Betriebliche Prävention 11.17)

Das AUVA-SGM
Hierbei handelt es sich um das Sicherheits- und Gesundheitsmanagement der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA). Die Besonderheit dieses Systems liegt darin, dass es „auf die österreichische Rechtsordnung zugeschnitten und leicht umzusetzen ist – vor allem auch in kleinen Betrieben“, so Mag.a Libowitzky. Da das System für alle Unternehmen – unabhängig von ihrer Branche und Größe – eingesetzt werden kann, empfiehlt Libowitzky Unternehmen, vor der Einführung der ISO 45001 zunächst das AUVA-SGM einzuführen, da es weniger komplex „und dem österreichischen Denken näher ist“. Zudem hebt sie hervor, dass im AUVA-SGM neben dem Sicherheitsaspekt der Gesundheitsschutz stärker verankert ist: „Es geht dabei nicht nur um die Erhaltung, sondern auch um die Förderung der Gesundheit.“

In Bezug auf den Nutzen des Systems definiert die AUVA folgende Vorteile:

  • Zufriedenere ArbeitnehmerInnen
  • Mehr Rechtskonformität
  • Weniger Ausfallzeiten
  • Hohe Eigenverantwortung
  • Kosten- und Wettbewerbsvorteile
  • Imagegewinn
  • Leichte Einbindung in andere Managementsysteme
  • Strukturierte Verbesserungsprozesse

Sicher und gesund mit System
Egal, für welches System sich ein Betrieb entscheidet: Die Einführung eines SGMS führt zu einer strukturierteren Organisation des ArbeitnehmerInnenschutzes. Dabei werden die Sicherheit und Gesundheit ganzheitlich betrachtet und in die Managementstrategie des Unternehmens integriert – zum Wohle der ArbeitnehmerInnen und zur Erhöhung ihrer Arbeitsqualität, die maßgeblich für ihre Lebensqualität ist.

Artikel weiterempfehlen